Volksbanken in Seligenstadt und Dreieich planen Fusion

Charakter der Ortsbank für Seligenstadt erhalten und mit Know-how des Partners punkten – Position der Stärke jetzt für Fusion nutzen

Hoher Investitionsbedarf in die Digitalisierung, steigende Kosten durch überbordende Regulierung und anhaltender Margendruck erfordern neue Antworten: Die Volksbank Seligenstadt eG soll als eigenständiges Beratungscenter eine Säule im Regionalkonzept der Volksbank Dreieich eG werden. Ihre durch gute Geschäftszahlen untermauerte starke Marktposition will sie nutzen, um ihren Einfluss zu sichern als strategischer Partner in einer dezentral ausgerichteten Heimatbank für die Region. Diese käme auf eine Bilanzsumme von über 1,8 Mrd. Euro.

"Wir brauchen jetzt einen Sprung nach vorne, für den unsere durchaus beachtlichen Wachstumsraten und Gewinne der letzten Jahre bei weitem nicht ausreichen", erläuterte Vorstandsmitglied Oliver Müller auf der Generalversammlung der Volksbank Seligenstadt eG das geplante Zusammengehen. "Durch eine Fusion wollen wir mit dem Know-how des größeren Partners die zukünftigen Anforderungen abdecken und gleichzeitig vor Ort punkten. So können wir unseren Förderauftrag noch besser erfüllen.

Sein Kollege Stefan Rech konnte über eine positive Geschäftsentwicklung 2017 berichten: Die Bilanzsumme legte um 8,5 % auf 174,5 Mio. Euro zu. Maßgeblich dafür war vor allem ein dynamisches Kreditgeschäft mit einem Plus von 12,9 % auf 165,5 Mio. Euro. Das Einlagenwachstum um 3,6 % auf 90,7 Mio. resultierte aus dem Trend in täglich fällige Gelder. Bei einem guten Jahresüberschuss auf Vorjahresniveau von 445.000 Euro beschloss die Generalversammlung die Ausschüttung einer Dividende von 6 %.

"Entscheidend für eine Verschmelzung sind die Argumente, die dafürsprechen, der richtige Zeitpunkt und dass vor allem ein passender Partner zur Verfügung steht", betonte Müller. Diese Voraussetzungen sind nach Einschätzung des Vorstands in Seligenstadt erfüllt. Mit der Volksbank Dreieich eG sollen Zukunftsfähigkeit und zugleich regionale Nähe gesichert werden. Müller: "Angesichts eines hohen Fusionstempos in Hessen haben wir jetzt die Chance, unsere eigene Zukunft aktiv zu gestalten. Gleichzeitig ist unser Ziel, den Charakter der Ortsbank für Seligenstadt mit hoher persönlicher Bindung, menschlicher Zuwendung und ausgeprägter lokaler Präsenz zu erhalten."

Die Unternehmensentwicklung der letzten Jahre dokumentiert die erfolgreiche Strategie der Volksbank Dreieich eG mit einem hohen Maß an Eigenständigkeit für die Regionen ihres Marktgebiets. Eigenständige Beratungscenter wurden in den letzten 10 Jahren bereits in Sprendlingen, Langen, Dietzenbach und Neu-Isenburg an Standorten ehemals selbstständiger Ortsbanken erfolgreich etabliert. Aktuell kommt Eppertshausen hinzu. Im April votierten die Vertreter der dortigen Volksbank einstimmig für die Verschmelzung.

In den vergangenen Monaten haben die Vorstände beider Häuser intensiv sondiert und kamen zu dem Ergebnis, dass sie gemeinsame Vorstellungen vom genossenschaftlichen Bankgeschäft der Zukunft verbinden. Auch die notwendige Nähe der Geschäftsgebiete ist gegeben. Beide Kreditgenossenschaften haben ihre besonderen Stärken im Finanzierungsgeschäft. In diesem wie auch allen anderen Feldern des Bankgeschäfts soll Seligenstadt vom hohen organisatorischen und personellen Know-how des Partners für Regulierungsthemen und die Digitalisierung profitieren. Zur Vorbereitung der Fusion wurde im Juni eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. "Als regional verwurzelte Genossenschaftsbank wollen wir das Bewahren, was uns schon heute auszeichnet und unsere angebotene Leistung gemeinsam weiterentwickeln", sagte Stephan M. Schader, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Dreieich zum Start der Zusammenarbeit. "Beide Banken bringen ihre Stärken in die neue Bank ein." Sein Kollege Jens Prößer ergänzte: "Durch Spezialisierung stärken wir unsere Beratungskompetenz und erschließen dadurch wichtige neue Geschäftsfelder zum Vorteil aller Kunden und Mitglieder."

Zwischen beiden Partnern besteht Einvernehmen, dass Seligenstadt ein starkes Gewicht in der neuen Bank haben soll. Das würde sich auch in der Besetzung der Organe spiegeln: Drei der Aufsichtsratsmitglieder aus Seligenstadt würden in den maximal 13-köpfigen Aufsichtsrat einziehen. Stephan M. Schader (Vorsitzender), Jens Prößer und Oliver Müller würden den Vorstand bilden. Stefan Rech soll Regionalmarktdirektor für Seligenstadt werden. "Unsere Kunden behalten ihre vertrauten Ansprechpartner", erläuterte Rech. "Diese hätten jedoch mehr Entscheidungskompetenzen und durch die in einem größeren Haus mögliche Entlastung von Verwaltungsaufgaben mehr Zeit für die Betreuung der Kunden und Mitglieder. Das wird sich insbesondere in der Baufinanzierung, im Wertpapier- und im Firmenkundengeschäft bemerkbar machen."

Ziel der Vorstände beider Häuser ist möglichst bald einen Verschmelzungsvertrag abzuschließen. Rechtzeitig für die Beschlussfassung der Mitglieder wird auch das vom Umwandlungsgesetz vorgeschriebene Verschmelzungsgutachten des gesetzlichen Prüfungsverbands vorliegen. Die Volksbank Seligenstadt eG will bei einer Reihe von Mitgliedergesprächen informieren, Fragen beantworten und Wünsche oder konkrete Vorschläge für eine Fusion aufnehmen. Auch die Vorstandsmitglieder der Volksbank Dreieich eG werden sich dort vorstellen.